Es liegen nicht nur harte Woche hinter dem ÖEHV, sondern auch die kommenden Monate werden für den Verband keine einfachen. Eishockeyonline.at Redakteur Mathias Funk hat sich mit dem U20-General Manager und Teamchef des A-Teams Roger Bader über die vergangenen Tage sowie die anstehenden Wochen unterhalten.

Unglaublich aufregende Wochen liegen hinter Ihnen. Nun konnten Sie ein paar Tage Abstand gewinnen, wie fällt Ihr Rückblick auf die Geschehnisse bei der U20 WM in Übersee aus?
Bader: Ein richtiges Fazit zu ziehen, ist schwierig. Wir waren auf zwei Testspiele und mindestens fünf WM-Partien eingestellt, am Ende wurden es ein Testspiel und zwei WM-Spiele. Dadurch ist schwer ein Resümee zu ziehen.

Die blutjungen Spieler waren natürlich maßlos enttäuscht. Wie haben Sie von der Entscheidung erfahren und wie wurde diese dem Team mitgeteilt?
Bader: Als General Manager der Delegation, war das meine Aufgabe. Die GM´s sämtlicher Nationen hatten täglich Meetings mit der IIHF, in denen verschiedenste Angelegenheiten besprochen wurden. Eine davon war ein möglicher Abbruch der WM. Dies wurde rund zwei Tage vor der Entscheidung zum Abbruch erstmals diskutiert. Direkt nachdem die Meldung uns erreichte, habe ich Head Coach Marco Pewal und das restliche Trainerteam versammelt und mit ihnen das weitere Vorgehen abgesprochen. Gemeinsam haben wir es dann der Mannschaft kommuniziert.

Was ist dann genau passiert, als das Team wusste: “Ok, die WM ist jetzt vorbei!”? Die Deutschen waren z.B. viel in der Natur..
Bader: Ob jemand das Hotel verlassen hat, kann ich nicht zu 100 Prozent sagen. Zumindest ist mir kein Fall bekannt. Die Spieler, wie auch der Staff, haben sich auf den Zimmern oder am Gang ausgetauscht. Zudem wurde umgehend die Heimreise organisiert.

Marco Pewal sagte beim EXXpress, es sei nicht nur im Hotel, sondern auch bei der IIHF und Hockey Canada einiges schiefgelaufen. Sehen Sie das auch so? Was hätte man besser machen können?
Bader: Ich kenne das Interview von Marco nicht, kann daher nicht beurteilen, was er gesagt hat. Ich denke es ist schwer mit dem Finger direkt auf jemanden zu zeigen. Speziell in dieser Situation. Wer schlussendlich die Letztentscheidungen getroffen hat, weiß ich nicht. War es Hockey Canada oder die IIHF? Der größte Unterschied zum Vorjahr war, dass es keine richtige Bubble war, bzw. es eine einseitige Bubble war. Wir durften nicht hinaus, aber fremde Leute durften ins Hotel. Bei den Mahlzeiten waren wir unter uns, in der Hotellobby und im Aufzug vermischte es sich allerdings mit fremden Leuten. In der Vorbereitung wurde zudem eine Hochzeit im Hotel gefeiert. Ich vermute, wir alle wurden von der Omicron-Variante überrascht. Wäre Delta noch die dominierende Variante gewesen, hätte das Turnier womöglich zu Ende gespielt werden können. Offensichtlich ist aber, dass das Virus von außen in die WM getragen wurde.

Was kann das junge Team von zwei Partien mitnehmen?
Bader: Nimmt man das Testspiel gegen Schweden noch mit, hatten die Jungs drei Spiele gegen Medaillenanwärter bei dieser WM. Sie haben gesehen, auf welch hohem Niveau die besten Spieler in diesem Alter bereits agieren. Sich direkt mit ihnen am Eis zu messen, ist eine unbezahlbare Erfahrung. Diese Eindrücke können eine Karriere positiv befruchten. Die Spieler haben gesehen was möglich ist und wo sie im Vergleich zur absoluten Weltspitze stehen.

“Wir müssen die Situation rund um das Virus beobachten und dann die richtigen Entscheidungen fällen!”. (Foto: Bernd Stefan)

Blicken wir zum A-Team. Im Februar soll der Österreich-Cup in Klagenfurt über die Bühne gehen. Die Ligen in Europa kämpfen mit zahlreichen Spielabsagen und wenigen freien Terminen. Würden Sie einer Absage zustimmen, damit die Liga die knapp 30 Spiele nachholen kann, schließlich steht im Frühjahr die B-WM in Ljubljana auf dem Programm?
Bader: Ich sehe das ganz pragmatisch und weiß als Profi, dass immer viele Varianten möglich sind. Natürlich möchte ich mit Österreich dieses Turnier spielen, aber wir müssen die Situation rund um das Virus beobachten und dann die richtigen Entscheidungen fällen. Wir halten uns beim Nationalteam sehr genau an die Präventionsmaßnahmen, hatten im ganzen letzten Jahr auch keinen einzigen Fall. Trotzdem wissen wir, dass es keine 100prozentige Sicherheit gibt. Ich werde zeitnah mit dem Präsidium zusammen eine Entscheidung fällen, ob der Ö-Cup stattfinden kann oder nicht.

Sollte das Turnier stattfinden und eine Nation, z.B Norwegen sagt ab. Hat man bereits einen Verband in der Hinterhand, der seine Nation schickt?
Bader: Ich stehe im ständigen Austausch mit anderen Verbänden. Dadurch haben wir auch stets einen Plan B. Zunächst gilt es zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen das Turnier überhaupt stattfinden kann. Danach sehen wir weiter.

Die Eishockey-Liga ist mitten in einer wichtigen Phase. Stimmen Sie zu, dass das Niveau im Vergleich zu den Vorjahren tatsächlich gesunken ist?
Bader: Um die Liga zu beurteilen, muss die Saison zu Ende gespielt sein. Zum aktuellen Zeitpunkt kann man noch nicht sagen, in welche Richtung sich die Liga entwickelt hat. Zudem bleibt immer zu berücksichtigen, dass Veränderungen auch eine Übergangsfrist mit sich bringen. Sollte man zu dem Schluss kommen, dass das Niveau im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, so ist das lediglich eine Momentaufnahme und kann im kommenden Jahr schon wieder ganz anders aussehen.

Wer ist für Sie der große Topfavorit? Führt der Titel heuer nur über Salzburg?
Bader: Red Bull Salzburg zählt Jahr für Jahr zum Favoritenkreis. Wie auch der KAC, mit dem man immer rechnen muss. In den Playoffs gelingt es auch meist dem ein oder anderen Team zu überraschen. Es bleibt spannend und wir dürfen uns auf die heiße Phase freuen.

Welcher Österreicher sticht in der laufenden Saison besonders ins Auge?
Bader: Ich nenne nicht gerne einzelne Namen, denn das kann auch schnell falsch verstanden werden. Aus dem Nationalteam will ich trotzdem Kilian Zündel erwähnen. Er hat in der Liga gut performt und auch im Nationalteam starke Leistungen gezeigt.

Marco Rossi durfte vor wenigen Tagen sein NHL Debüt feiern. Was trauen Sie ihm in Nordamerika zu?
Bader: Sein Debüt kam nicht überraschend. Auch die jetzige Situation ist ganz normal in der NHL. Aufgrund seiner Leistungen und seines Talents war es klar, dass der Klub Marco hochziehen wird wenn sie ihn brauchen. Es ist auch absolut nicht außergewöhnlich, dass er aktuell wieder im Farm Team aufläuft. Das wird vielleicht noch ein, zweimal passieren, bis er dann den Durchbruch zum Stammspieler schaffen wird.

Wie steht Roger Bader zu den Olympischen Spielen in Peking? Muss hier Sport und Politik mehr differenziert werden denn je?
Bader: Es gibt viele Ansichten und Meinungen zu den bevorstehenden Olympischen Spielen. Meine werde ich nicht öffentlich äußern. Ich konzentriere mich auf den Sport und als Profisportler freue ich mich auf die Spiele.

 

Interview: Mathias Funk | Fotos: Bernd Stefan