Die deutsche Eishockey Nationalmannschaft hat das Auftaktspiel bei der 85. Eishockey Weltmeisterschaft 2022 in Finnland gegen den amtierenden Weltmeister Kanada mit 3:5 verloren. Dabei konnte die DEB-Auswahl im letzten Drittel zwei Überzahltore durch Matthias Plachta und Moritz Seider erzielen und kämpfte bis zur letzten Sekunde gegen die Niederlage an.

Toni Söderholm trat bei seinem Heimdebüt in Finnland als Trainer gegen den amtierenden Weltmeister Kanada mit dem NHL-Trio Grubauer, Seider und Stützle an und hatte bislang die Spieler Strahlmeier, Zimmermann, Karachun und Jentzsch noch nicht für die Weltmeisterschaft nominiert. Kurz vor der WM musste Dominik Kahun verletzungsbedingt absagen und der NHL-Superstar Leon Draisaitl kündigte an, dass er die DEB-Auswahl nicht verstärken wird. Auf Seiten der Ahornblätter waren ausschließlich NHL-Akteure auf dem Eis.

Kanadier nutzen Fehler von Deutschland eiskalt aus

Deutschland nahm den Kampf gegen den 27-fachen Weltmeister an, die mit viel Tempo und einem aggressiven Forechecking ans Werk gingen. Die DEB-Auswahl war diszipliniert und stand in den ersten zwanzig Minuten ganz gut auf dem Eis, es wurden nur wenige Fehler in der Abwehr gemacht, in der Offensive gab es allerdings nur wenig Akzente. Die beste Chance hatte Marc Michaelis (16.) mit einem Direktschuss, den Logan Thompson abwehren konnte. Der jüngste Spieler auf Seiten der Kanadier, Cole Sillinger (18 Jahre) nutzte nach einem Scheibenverlust im eigenen Drittel die Chance und traf unhaltbar unter die Latte. Kurz darauf hatte Philipp Grubauer Glück, denn die Scheibe trudelte auf der Linie am Tor vorbei.

In den letzten Minuten des ersten Spielabschnitts führt ein erneuter Scheibenverlust im eigenen Drittel zum zweiten Gegentor. Dubois schlug eiskalt zum 0:2 für den Weltmeister zu. Mit diesem Rückstand ging es für die deutsche Truppe in die erste Drittelpause.

Tim Stützle: “Es war ein hartes erstes Drittel, Kanada ist sehr stark und hat die Chancen eiskalt ausgenutzt. Wir müssen weiter dranbleiben, ich denke wir können noch einiges zeigen.”

Kanada im Powerplay sehr effizient

Die ersten zehn Minuten des Mittelabschnitts gehörten den Deutschen, sie drückten und kamen zu den ersten guten Möglichkeiten durch Daniel Schmölz und Samuel Soramies. Für den WM-Neuling Soramies ist diese Weltmeisterschaft eine ganz besondere, denn er hat finnische Wurzeln in der Familie. Kurz nach seiner Chance konnte Marc Michaelis einen Nachschuss gegen die Laufrichtung von Thompson zum 1:2 (28.) in die Maschen schießen.

Danach schlugen die Kanadier zwei Mal hintereinander mit einem Mann mehr auf dem Eis zurück. Erst traf mit seinem zweiten Tor Pierre-Duc Dubois und danach war es der zweitjüngste Spieler der Kanadier Kent Johnson, der einen platzierten Schuss ins kurze Eck von Philipp Grubauer buxierte. Die “Krake von Seattle” zeigte Sekunden zuvor einen Big-Safe und machte insgesamt eine gute Partie. Bei dem 1:5 in der 38. Minute war er allerdings machtlos. So ging es dann mit diesem ernüchternden Ergebnis in die zweite Drittelpause.

Deutschland gewinnt das letzte Drittel

Moritz Seider leitete ein starkes letztes Drittel nach wenigen Sekunden mit einer guten Tormöglichkeit ein. Danach gab es die erste doppelte Überzahlmöglichkeit für Deutschland und Matthias Plachta traf (42.) mit einem harten Schuss zum 2:5. Bei der zweiten Strafzeit der Kanadier waren die deutschen am Drücker und Kanada verteidigte mit Glück und Geschick. Nach Ablauf des Powerplay wurde das deutsche Spiel immer druckvoller, man wollte wortwörtlich ALL-IN gehen und so kam es in der 53. Minute zur zweiten doppelten Überzahlsituation. Auch in dieser waren die DEB-Jungs durch Moritz Seider (3-Punkte) erfolgreich und so stand es 7. Minuten vor dem Ende nur noch 3:5.

Bei 3:16 Minuten vor dem Ende nahm Toni Söderholm Philipp Grubauer vom Eis und versuchte noch einmal alles nach vorne zu werfen. Es kam noch zu guten Tormöglichkeiten, vor allem Tim Stützle, der heute eine ausgezeichnete Partie ablieferte (2 Punkte) und auch zum Besten Spieler des Spiels gewählt wurde, hatte einen weiteren Treffer auf der Kelle. Deutschland kann auf das letzte Drittel stolz sein und darauf aufbauen, so muss man über 60. Minuten kämpfen, dann ist mehr drin.

Am Samstag geht es für die deutsche Eishockey Nationalmannschaft um 19:20 (Live auf Sport1 und MagentaTV) im zweiten Spiel gegen die Slowakei, die das erste Spiel gegen Frankreich mit 4:2 gewinnen konnten und bei den letzten olympischen Spielen die Bronzemaille gewinnen konnten, weiter.

Freitag, 13. Mai 2022
Deutschland – Kanada 3:5 (0:2|1:3|2:0)

Tore:
0:1|09.|Cole Sillinger
0:2|18.|Pierre-Duc Dubois
1:2|28.|Marc Michaelis (Seider, Pföderl)
1:3|32.|Pierre-Duc Dubois PP
1:4|34.|Kent Johnson PP
1:5|38.|Noah Gregor
2:5|42.|Matthias Plachta (Stützle) PP
3:5|53.|Moritz Seider (Stützle, Pföderl) PP

USA fegt Lettland vom Eis

In der neu gestalteten Tampere Deck Arena empfing die USA die Mannschaft aus Lettland zum Auftaktspiel der 85. WM. Team USA, das in den letzten 8 Turnieren insgesamt viermal Dritter wurde, unterlag im letzten Vorbereitungsmatch den ewigen Rivalen aus Kanada knapp nach Penaltyschießen und die Letten bezwangen gleich zweimal ganz deutlich Kasachstan in ihren letzten beiden Testbegegnungen. Lettland erwies sich bisher immer als sehr unangenehmer Gegner bei solchen Turnieren, was eine spannende und hart umkämpfte Auseinandersetzung erwarten ließ mit Richtungscharakter für die bevorstehenden Aufgaben. Schließlich besiegte das Team USA in der Nokia Arena die lettische Nationalmannschaft deutlich mit 4:1 auch dank eines bärenstarken und effizienten ersten Drittels.

Die USA trat bei dieser WM als Bronzemedaillengewinner 2021 an und war ambitioniert, in diesem Turnier sehr weit zu kommen. Mit ihrem erst 18-jährigen Top Talent Hughes hatten sie einen Hochkaräter im Line Up, der sich in die Herzen der Fans spielen wollte. Headcoach Quinn hatte mit Blashill einen bekannten Assistenztrainer an seiner Seite und setzte auf die Qualitäten ihres Kapitäns und Top Stars Jones, der als Defender seine Brötchen bei Chicago verdient; in der abgelaufenen Spielzeit ergatterte er 51 Scorerpunkte (5 Tore, 46 Assists). Außerdem wies er die zweitschlechteste Plus-Minus Bilanz mit -37 auf, was erstaunlich erscheint. Superstar Jones stellte auch in der NHL einen Rekord auf, als er nach der 5. Overtime sagenhafte 65 Minuten Eiszeit auf dem Buckel hatte. Team USA hielt sich noch 5 Positionen offen, je nachdem wie die Playoffs im eigenen Land sich gestalten würden.

Team Lettland als Weltranglistenzehnter vertraute bei diesem erstklassig besetzten Turnier auf seine altbewährten Recken wie Abols (Kapitän), Kulda und vor allem Richard Bukarts, den man noch aus der DEL sehr gut kennt. Headcoach Vitolins, der die Mannschaft neu übernahm, baute auf ein körperbetontes Auftreten seiner Akteure gegen eine spielerisch überlegene amerikanische Mannschaft, welche sich die Zähne am starken lettischen Goalie Merzlikins ausbeißen sollte.

Es versprach seitens der Amerikaner ein offensiv geprägtes Match. Bei den US-Boys, die gleich nach 2 Minuten im Powerplay agieren konnten, debütierten bei diesem Turnier 18 Akteure. Es war wie immer bei solchen Weltmeisterschaften eine zusammengewürfelte Mannschaft. Der bewegliche Keeper Merzlikins, für den es die fünfte WM war, wurde anfangs gut gefordert. Die Nokia Arena war gut gefüllt und die Zuschauer konnten in der 8. Spielminute den Führungstreffer durch Barber bejubeln. In der 11. Spielminute legte Team USA im Rahmen des zweiten Überzahlspiels durch Jones nach.

Nach gutem druckvollem Beginn der Letten übernahm die USA peu á peu das Kommando auf dem Eis und ging folgerichtig in Front. Es gelang den US-Boys fast alles, denn in der 12. Spielminute erhöhte Bordeleau in Unterzahl sogar auf drei zu null. Dabei machte Merzlikins keine gute Figur. Auf der Gegenseite erwies sich Mann als gut mitspielender Goalie.

Das war schon ein Schock für Lettland, denn binnen dreieinhalb Minuten schlug die USA gleich dreifach zu. So hatten sich die Letten den Einstieg ins Turnier nicht vorgestellt und mussten nach dem Auftaktdrittel einem drei Tore Rückstand hinterherlaufen. 3 Sekunden vor der Sirene hätte Lettland noch verkürzen können.

US-Boys ziehen davon

Im zweiten Drittel markierte Lafferty gleich nach nur 33 Sekunden mit einem tollen Handgelenkschuss den vierten Treffer für die Nordamerikaner. Welch ein Auftakt für die USA und was für ein erneuter Nackenschlag für Lettland, die sich bestimmt viel vornahmen. Dies schien jetzt schon eine Vorentscheidung in dieser einseitigen Partie zu sein. Die USA agierte und die Letten konnten nur reagieren. Auch deren zweites Powerplay verpuffte relativ wirkungslos. Team USA spielte schnörkellos aber zielstrebig und zeigte brandgefährliche Vorstöße. Lettland musste disziplinierter vorgehen, zu viele Strafen wurden genommen.

Die Letten waren vorwiegend mit Defensivarbeit beschäftigt, hatten zwei Top Gelegenheiten, die jedoch fahrlässig vergeben wurden. Die US-Boys hatten das Spiel fest im Griff und alle Mechanismen funktionierten schon sehr gut. Es wirkte alles wie selbstverständlich, was die Amis aufs Eis zauberten. Lettland war nicht chancenlos, 6 Sekunden befanden sich die Letten sogar noch mit zwei Mann mehr auf dem Eis und nahmen eine doppelte numerische Überlegenheit mit ins Schlussdrittel.

Shutout von Debut Goalie Mann verhindert

Gleich zu Beginn des Schlussabschnitts hatte Lettland die große Möglichkeit, um zum ersten Mal auf die Anzeigetafel zu kommen. Auch diese Konstellation konnten die Letten nicht für sich nutzen und Goalie Mann hielt die Null. Doch in der 42. Spielminute war auch er geschlagen, denn Dzerins netzte – noch in Überzahl – zum ersten Mal für seine Farben ein, als die Scheibe von Mann unglücklich versprang. Die lettische Fangemeinde hatte endlich was zu feiern und ihre Protagonisten waren obenauf und Abols hätte beinahe getroffen. Irgendwie fehlte Team Lettland das nötige Scheibenglück.

Die US-Boys schalteten in den Verwaltungsmodus ohne ihre Angriffsbemühungen vollends einzustellen, sondern sich immer wieder gekonnt durch die lettische Zone durchkombinierten. Lettland wollte unbedingt noch einen zweiten Treffer, scheiterte aber stets an Mann, der auch mal mit seiner Maske gegen Jaks rettete. Robert Bukarts blieb ebenso glücklos mit seinem Abstauber. Eine weitere Ergebniskosmetik wäre durchaus drin gewesen für die unermüdlich kämpfenden Letten.

Letztendlich lautete in der Sauna Hauptstadt der Welt der klare Sieger Team USA, das gleich zu Beginn des Turniers ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz setzte und seine Ambitionen auf den Titel souverän untermauerte. Superstar Seth Jones verbuchte ein zwei Punkte Match und bekam folgerichtig die Ehrung für den besten Spieler seines Teams überreicht. Bei den Letten verdiente sich Torschütze Dzerins die Tissot Uhr.

Freitag,13.05.2022
USA – Lettland 4:1 (3:0|1:0|0:1)

Tore:
1:0 |08| Barber (Bellows, Peeke)
2:0 |11| Jones (Schmidt, Galchenyuk) PP1
3:0 |12| Bordeleau (Jones) SH1
4:0 |21| Lafferty (Megna)
4:1 |42| Dzerins (Bukarts Ri., Cukste) PP1

Artikel: Christian Diepold / Hermann Graßl
Fotos: Semino / Läzdäns