Wie bei vielen anderen Klubs hat sich auch in Villach im Sommer einiges getan. VSV General-Manager Andreas Napokoj stand unserem Redakteur Mathias Funk Rede und Antwort. Der Villacher sprach dabei exklusiv über die Kaderplanung aber auch über vereinsinterne Themen wie Infrastruktur und Sponsoren-Arbeit.

Herr Napokoj, vielen Dank, dass Sie sich für unsere Fragen Zeit nehmen. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Kaderplanung?

Napokoj: Wir sind im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Kaderplanung. Wir sind relativ früh mit Neuverpflichtungen gestartet und da der Effekt mit der KHL, dass hier der Markt mit zahlreichen guten Spielern geschwemmt wird, ausgeblieben ist, haben wir glaube ich einiges richtig gemacht. So haben also die wichtigsten Positionen relativ rasch besetzt und können mit Vorfreude auf die anstehende Saison blicken.

Nun wurde der VSV in der vergangenen Spielzeit nach zahlreichen Neuverpflichtungen wie zum Beispiel John Hughes oder auch Derek Joslin immer wieder im erweiterten Kreis der Topfavoriten genannt. Am Ende war im Halbfinale gegen Fehervar Endstation. Wie zufrieden sind Sie mit der vergangenen Spielzeit?

Napokoj: Wir hatten im Halbfinale rund sieben Ausfälle. Selbstverständlich tut sowas immer weh. Mit der Saison sind wir aber insgesamt sehr zufrieden. Ich denke, dass die vergangene Spielzeit ein weiterer Baustein für uns war, auf den wir jetzt weiter aufbauen können. Wir haben die abgelaufene Saison rund ein bis zwei Wochen analysiert und den Fokus dann wieder auf die anstehende Spielzeit 2022/2023 gelegt.

In der abgelaufenen Spielzeit hatte man besonders zwischen den Stangen immer wieder Unruhe rund um die Personalie Ali Schmidt und Andreas Bernard. Mit JP Lamoureux lotste man nun den „verlorenen Sohn“ heim an die Drau. Was versprechen Sie sich von diesem Transfer?

Napokoj: Bei JP Lamoureux glaube ich kann man von einer Art „Sonderfall“ sprechen. Uns ist bewusst, dass Jean-Philippe bereits ein höheres Alter vorweist, allerdings habe ich in meinen vier Jahren als General-Manager des Villacher SV noch keinen Spieler gesehen, der solch eine Fitness vorweist und zusätzlich der Vorbereitung einen so hohen Stellenwert schenkt. JP wird wieder bereit sein und wir sind uns sicher, dass er auch kommende Saison wieder ein Top-3 Torhüter in der ICE Hockey League sein wird.

In einer eishockeyverrückten Stadt wie Villach wird immer viel über die Adler gesprochen und auch diskutiert. So auch die Transferpolitik. Nehmen wir nochmals den Transfer um Lamoureux unter die Lupe, blieb auch dieser nicht ohne Kritik seitens des Anhangs. „Weit über seinem Zenit!“, war immer öfter zu lesen. Sehen Sie das anders? Wenn ja, warum?

Napokoj: Als GM sehe ich das zweifellos anders! In meiner Position, wenn man für den Kader verantwortlich ist, hält man sich an keinerlei Vermutungen von außen, sondern stets an Fakten! Und JP Lamoureux hat in den letzten Jahren stets performt und auch in der vergangenen Saison in Salzburg nach schwerer Verletzung gezeigt, was er kann. Wir dürfen nicht vergessen, dass Salzburg mit JP in die Playoffs gestartet ist, ehe dann das Coronavirus zugeschlagen hat. Ich halte mich weiterhin daran fest, dass er ein Top-Goalie ist!

Der EC VSV ist dafür bekannt, auch jungen Spielern eine Chance zu geben. Welche Rolle spielen die jungen Österreicher im Kader der Saison 2022/2023?

Napokoj: Natürlich ist es immer wieder unser Ziel, junge und talentierte Österreicher im Team zu integrieren. Doppelt schön ist es, wenn die Jungs dann auch noch waschechte Villacher sind. Mit Urbanek und Tschurnig haben wir auch zwei „Roster-Spots“ mit jungen Draustädtern befüllt und die beiden werden sicherlich ihre Eiszeit bei uns erhalten. Aber, und so ehrlich sind wir, sehen wir noch immer Luft nach oben und wir wollen speziell auch in der Zukunft weitere Österreicher im Team binden. Das ist aber auch mit vielen anderen Dingen verbunden, die am Ende zusammenpassen müssen. Doch gerade die Personalien Tschurnig und Urbanek sind Projekte, welche wir sicherlich weiter forcieren werden.

In der vergangenen Spielzeit wurde eng mit den Kitzbüheler Adlern kooperiert. Junge Spieler sollten in Tirol und eine Etage tiefer Spielpraxis sammeln. Mit Marco Pewal ist ein „Villacher Urgestein“ nun in der Gamsstadt als Headcoach positioniert. Wie kann der VSV weiterhin davon profitieren?

Napokoj: Da mich mit Marco Pewal eine gute Freundschaft verbindet sind wir natürlich immer im Austausch, das macht das ganze selbsterklärend viel einfacher. Die Kooperation soll dafür sorgen, dass junge Österreicher noch mehr Eiszeit bekommen und ich bin mir sicher, dass wir speziell in der kommenden Saison noch mehr von der Kooperation mit Kitzbühel profitieren werden.

Am anderen Ufer des Wörthersees wird in diesen Tagen fleißig an der Modernisierung der Eishalle gearbeitet. In Villach aber stocken die Planungen. Grund dafür sollen die weltweit explodierenden Preise sein. Ist dieses Projekt tatsächlich gefährdet?

Napokoj: Es fällt mir schwer, etwas über das Projekt „Stadthalle neu“ zu sagen. Nach mehreren Gesprächen sind uns neue Schritte zum Thema zugesichert worden. Wann genau das passiert, kann ich nicht einschätzen. Selbstverständlich hoffe ich, dass die Dinge zeitnah umgesetzt werden. Festzustellen ist jedoch, dass wir den Verein mit der bisherigen Infrastruktur nicht nachhaltig führen können.

Führt erfolgreich die Geschicke des VSV! – General-Manager Andreas Napokoj.

Blicken wir auf die Liga, welche sich im Sommer weiter veränderte. Bratislava ist nach einem Chaosjahr zurück in der ICE, Znojmo und Dornbirn hingegen haben sich verabschiedet. Dafür kommen mit Asiago und den Pioneers Vorarlberg zwei neue Klubs hinzu. Wie bewerten Sie das? Ein Gewinn für die Liga?

Napokoj: Jeder Klub, der die Regularien erfüllen kann, ist gut für unsere Liga! Ich denke, man sollte hier mit Fingerspitzengefühl zu Werke gehen. Das wird aber natürlich mit den Klubs abgestimmt, das muss auch ganz klar gesagt werden! Wir müssen ein Gefühl entwickeln, welche Vereine uns tatsächlich nachhaltig erhalten bleiben und ein Profibetrieb auch wirklich möglich ist. Nach der Saison werden wir, wie so oft im Sport, mehr darüber wissen. Ich hoffe, dass alle Klubs gut integriert werden und weiß gleichzeitig, dass es immer schwer ist, etwas von der „Pike“ weg aufzubauen. Ich hoffe selbstverständlich das Beste, stehe dem ganzen hier und dort jedoch etwas kritisch gegenüber.

Speziell im Sponsoring sind Sie im Sommer sehr aktiv gewesen. Der VSV präsentierte neben zahlreichen Vertragsverlängerungen auch einen neuen Namenssponsor. Wie schwierig gestalten sich solche Gespräche in Zeiten wie diesen, wo in Österreich und Europa viel über Energie, steigende Kosten und über eine unsichere Zukunft diskutiert wird?

Napokoj: Villach ist wirklich ein spezieller Boden. Mit über 110 Sponsoren haben wir, und das behaupte ich jetzt einfach, die meisten in der gesamten Liga. Natürlich arbeiten wir hart daran, wissen jedoch, wie unglaublich gut unsere Basis hier ist und wie treu unsere Sponsoren uns als Verein sind. Egal ob regional oder international, jeder blieb auch während der Pandemie an Bord und ich bin der Meinung, das ist einzigartig in Österreich. Wir leisten also gute Arbeit, welche nur „Hand in Hand“ mit unseren Partnern umzusetzen ist.

Kommen wir zu einer Frage, welche von Klubverantwortlichen gerne schmunzelnd beantwortet wird. Aber, welche Ziele verfolgt der Villacher SV in der kommenden Saison?

Napokoj: Diese Frage kann ich auch ohne zu schmunzeln beantworten. Unser Ziel sind die Playoffs! Optimal wäre die direkte Qualifikation. Wir wissen aber, dass die Playoffs ihre eigenen Gesetze haben und sollten wir diese erreichen, wird es gegen den EC VSV immer schwierig sein!

 

Interview: Mathias Funk / Foto: Bernd Stefan