Der EC Red Bull Salzburg sicherte sich in der vergangenen Saison sensationell den Meistertitel der heimischen Eishockey-Liga. Die Eis-Bullen starten bereits früh in die Saisonvorbereitung und kenne bereits ihre Ziele für die Spielzeit 2022/2023. Redakteur Mathias Funk war für eishockeyonline.at in der Red Bull Akademie im salzburger Stadtteil Liefering und hatte mit Ali Wukovits und Benjamin Nissner gleich zwei Meister-Bullen zum Doppelinterview am Mikro. Die beiden gebürtigen Wiener sprachen dabei exklusiv über die vergangene Meistersaison, die Sommerpause und die anstehende Spielzeit in der win2day Ice Hockey League.

Vielen Dank ihr zwei, dass ihr euch die Zeit nehmt, um uns ein paar Fragen zu beantworten. Benjamin, langsam aber sich er neigt sich die Sommerpause dem Ende. Wie froh bist du, dass es kommenden Freitag in Budweis mit dem ersten Pre-Season-Match losgeht?

Nissner: Die Vorfreude, dass es wieder losgeht, ist wirklich sehr groß! Wir hatten auch schon die Möglichkeit, die neuen Spieler kennenzulernen. Auch das ein oder andere Team-Event gab es schon. Die Mannschaft ist heiß auf das Eis!

Nun ist für den Eishockey-Interessenten eine Sommerpause immer relativ lang. Wie sieht sowas bei den Spielern aus? Wie lange war denn euer Urlaub nach dem Gewinn der Meisterschaft?

Wukovits: In diesem Jahr war der Sommerurlaub wegen den Finalspielen und dem Titel sowie der WM im Anschluss weniger lang wie in den Jahren zuvor. Die Erfolge haben den Urlaub dafür aber umso schöner gemacht und die WM war auch wirklich super. Der Sommer war also kurz und schön. Ich war etwas auf Reisen und habe gut trainiert und bin jetzt gut vorbereitet. Wie Benni schon gesagt hat, sind alle wieder heiß darauf, dass es wieder los geht. Ein paar neue Gesichter sind auch immer cool, die Kennenlernphase ist in vollem Gange.

Den Sommer habt ihr beide also sicher genossen. Euer Teamkollege Luki Schreier meinte zuletzt, man muss auch mal wegkommen vom Eishockey. Wie geht das? Wie schafft ihr das? Speziell nach solch einer erfolgreichen Saison?

Wukovits: Am besten ist, wenn man gleich im Anschluss auf Urlaub fährt und so dann einfach weg vom alltäglichen Umfeld und von der Eishalle kommt. Die Familie sieht man bei einer WM oder in den Playoffs relativ wenig, deshalb kann man sich auch dort immer gut zurückziehen. So kann man auch die Beziehungen gut pflegen.

Ihr seid im letzten Sommer beide gemeinsam nach Salzburg gekommen und habt zuvor schon in Wien zusammengespielt. Ihr habt euch damals vieles vorgenommen. Habt ihr so eine Saison erwartet?

Nissner: Als wir nach Salzburg gewechselt sind, gab es von Beginn an immer nur ein Ziel und das war der Meistertitel. Wir haben eigentlich von Tag eins an über nichts anderes geredet, als die Meisterschaft. Ich traue mich sogar sagen, dass man es innerhalb der Mannschaft gespürt hat, dass wir dieses Ding holen werden. Es war einfach eine sensationelle Saison. Wir kannten uns alle oder haben uns kennengelernt. Es hat sich angefühlt, als würden wir schon zehn Jahre zusammenspielen. Unbeschreiblich eigentlich.

Der Teamspirit eines der wichtigsten Dinge der erfolgreichen Saison 2021/2022 bei den Red Bulls!

Gibt es nach so einer Saison generell etwas, was ihr so richtig kritisieren könnt?

Wukovits: Wirklich schwer zu sagen, besonders wenn eine Saison so perfekt endet. Allerdings muss man sich immer kritisieren und Wege finden, um zu lernen. Auch sollte man analysieren, wieso etwas so gut funktioniert hat. Am Ende waren wir uns einig, dass der größte Erfolgspunkt der Teamspirit war und unser Motto „Team First“, dem hat sich jeder einzelne Spieler untergeordnet. Wenn man als Team ganz neu zusammengewürfelt wird, ist das nicht so einfach. Dadurch, dass wir aber wirklich starke Charaktere und super Typen in der Mannschaft hatten und auch immer noch haben, war das sehr einfach für uns. Dementsprechend sind wir gut zusammengewachsen und das konnte man schlussendlich auch auf dem Eis sehen.

Nun hat Matt McIlvane relativ schnell nach der Meisterfeier seine Vertragsverlängerung bekanntgegeben. Wie wichtig ist das für die Spieler, wenn man weiß, wir machen mit diesem Trainer weiter und müssen uns nicht überraschen lassen, wer ab August das Pfeiferl im Mund hat?

Nissner: Für einen Spieler ist es immer schwierig, wenn man im Sommer noch nicht weiß, wer dein Trainer sein wird. Wir waren also sehr glücklich, dass Matt verlängert hat. Ich denke, dass seine Philosophie sicherlich einer der wichtigsten Gründe für den Erfolg war und wir hatten auch sehr viele Teamevents, wo es immer um den Zusammenhalt ging. Das war am Ende, glaube ich, der Schlüssel zum Erfolg.

Benni, neben dem Titel konntet ihr auch wieder das CHL Ticket buchen und spielt ab Ende August bzw. Anfang September wieder in der Königsklasse. Welchen Stellenwert hat dieser Wettbewerb innerhalb der Mannschaft?

Nissner: Die CHL hat innerhalb der Mannschaft und der Organisation einen hohen Stellenwert. In der vergangenen Saison hatten wir etwas Schwierigkeiten, speziell gegen Rouen. In diesem Jahr haben wir aber unsere Ziele noch höher gesetzt und wollen nochmals weiter kommen, als in der letzten Spielzeit. Ich habe keine Zweifel, dass uns das gelingt.

Zwei Meister-Bullen am Mic! Ali Wukovits und Benjamin Nissner stellten sich auf dem Gelände der Red Bull Eishockey Akademie den Fragen von eishockeyonline.at – Redakteur Mathias Funk.

Stavanger, Tampere und Fribourg heißen die Gegner in der Gruppenphase. Wie fällt die Einschätzung zu den Gegnern aus? Was wisst ihr schon über diese Gegner?

Wukovits: Gegen Stavanger habe ich bereits gespielt, gegen die anderen Teams nicht. Am Ende des Tages liegt es aber ohnehin an uns, wie schnell wir zusammenwachsen und wie gut wir trainieren. Auch ist es wichtig, wie schnell wir lernen und das System umsetzen. Ich glaube, dass wir eine sehr gute Chance haben, weil wir innerhalb der Mannschaft einen sehr guten Stamm besitzen, der sich aus der Vorsaison bereits gut kennt. Es wird sicherlich sehr aufregend für uns.

Im Fußball sagt man gerne, man möchte bestimmten Gegnern in der Champions League aus dem Weg gehen. Gibt es auch im Eishockey das ein oder andere Team wo man sagt „Ok, die brauchst jetzt nicht unbedingt“?

Wukovits: Ich sehe das umgekehrt, dass man sich eher paar gute Gegner wünscht. Das schöne an der CHL ist ja auch, dass man herumkommt und nach Finnland, Schweden oder in die Schweiz fliegen kann. Es ist nicht wirklich so, dass man sagt, auf die oder die hätte man auch verzichten können, sondern es ist eher spannend und aufregend, wenn man gleich solche Gegner zugelost bekommt. Ich glaube, speziell mit Tampere haben wir einen coolen Gegner und den Standort kennen wir ja bereits von der Weltmeisterschaft. So glaube ich, haben wir eine ganz gute Gruppe erwischt.

Nun testet man in wenigen Wochen auch bei einem internationalen Top-Turnier gegen gute Gegner. Der Red Bulls Salute in Kitzbühel, da geht es zum Einstieg gleich gegen den Schweizer Meister EV Zug. Wie sehr freut ihr euch schon auf dieses Turnier und kann man nach solchen Partien schon ungefähr erahnen, wo das Team steht?

Nissner: Für mich ist es die dritte Teilnahme, das ist ein starkes Turnier und wir freuen uns alle riesig auf dieses Tournament. Das ist schon eine perfekte Saison-Vorbereitung.

Die Sportstadt Kitzbühel freut sich auf das internationale Top-Turnier, den Red Bulls Salute 2022.

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Da kann man ja schon den ersten Titel der Saison einheimsen, wenn man es genau nimmt, oder?

Nissner: Ja, natürlich. (schmunzelnd)

Schauen wir auf den Kader der Red Bulls, hier hat sich wieder einiges getan. In der Verteidigung wurden die Abgänge gut ersetzt und auch in der Offensive sowie im Tor ist man wieder richtig gut aufgestellt. Die Mission kann eigentlich nur den Titel „Meisterschaft-Verteidigen“ erhalten, oder?

Wukovits: Ich glaube, es ist noch etwas früh, um diese Frage zu beantworten. Die Abgänge werden wir aber sicherlich vermissen. Das sind nicht nur super Spieler gewesen, sondern auch gute Freunde geworden. Natürlich sind wir aber sehr froh über die Neuverpflichtungen. Das sind alles sehr gute Spieler und ich bin gespannt, habe aber gleichzeitig keine Zweifel daran, dass es nicht mindestens genauso gut laufen wird, wie in der vergangenen Saison.

Wir sitzen hier in der Akademie, dem Herzstück, wenn man so will, dieses so außergewöhnlichen Vereins. Nun ist Salzburg zweifellos dafür bekannt, dass Jahr für Jahr junge Eigenbauspieler in den Profikader hochgezogen werden. Als erfahrenere Spieler führt ihr die Jungs dann auch auf dem Eis. Wie gefällt euch diese Rolle?

Nissner: Es macht sehr viel Spaß! Wir haben auch letzte Saison schon mit vielen jungen Spielern gespielt und sie mussten die Lücken füllen, haben im Spiel dann aber schon Verantwortung bekommen wie zum Beispiel ein Luca Auer oder Tim Harnisch. Es ist schön zu sehen, wenn wir mit zahlreichen Youngsters Siege feiern, wie zum Beispiel der Overtime-Sieg in Bozen. Es macht einfach Spaß, wenn es keinen Unterschied macht, ob wir mit vielen jungen Spielern aus der Akademie oder einem erfahrenen Akteur zusammenspielen.

Den Pott in der Hand! Ali Wukovits blickt zusammen mit Kumpel Benjamin Nissner bei eishockeyonline.at auf die vergangene Meistersaison zurück!

Die Liga hat sich ebenfalls verändert. Dornbirn und Znojmo sind raus, dafür kommen die Pioneers aus Vorarlberg und Asiago aus Italien dazu. Wie schätzt du das ein bzw. was erwartest du dir von den beiden neuen Gegnern in der Ice Hockey League?

Wukovits: Um ehrlich zu sein habe ich gegen Asiago noch nie gespielt. Ich kann mich erinnern, dass ich bei einer Junioren-WM mal in Asiago auf dem Eis stand. Bei den Pioneers ist es echt schwer zu sagen. Dort stehen aber viele alte Bekannte unter Vertrag, das wird sicher ganz gut werden. Gegen Alexander Pallestrang und Co zu spielen, da freuen wir uns im Team sicher alle! Wir sind froh, dass wir nach den Ausstiegen von Dornbirn und Znojmo zwei neue Teams gefunden haben.

Kommen wir mal zu euch persönlich. Welche persönlichen Ziele verfolgt ihr hier in Salzburg?

Nissner: Ich möchte mich einfach weiterentwickeln und der bestmögliche Spieler werden, der ich sein kann.

Wukovits: Bennis Antwort war hier schon sehr präzise.

Zum Ligastart geht es gleich gegen euren Ex-Verein Wien. Die Vorfreude dürfte also doppelt so groß sein?

Wukovits: Ganz bestimmt. Gegen Wien zu spielen ist immer schön, da sind viele Emotionen mit dabei und wir treffen auf viele bekannte Gesichter. Meiner Meinung nach kann man sich keinen besseren Saisonstart nicht wünschen.

Zum Abschluss: Die Fans haben zwei schwere Jahre hinter sich, im Playoff hatten wir hier in Salzburg dann stets volles Haus. Auf was dürfen sich die Bullen-Fans in der kommenden Saison freuen?

Nissner: Ich würde behaupten, die Fans dürfen sich wieder auf sehr hungriges Team freuen.

Wukovits: Ich glaube auch, dass die Fans in der Arena sehr attraktives Eishockey sehen werden und ich würde auch sagen, dass wir uns große Ziele gesetzt haben und wir dafür auch gewappnet sein werden.

Dann bringen wir das ganze einfach auf den Punkt und hauen gemeinsam einen raus. Die Mission in Salzburg heißt also auch zum jetzigen Zeitpunkt schon: Titelverteidigung?

Wukovits: Ja, auf jeden Fall!

Nissner: Sicher!

Das war der Trainingsauftakt beim Meister

5 Kurzfragen an Ali Wukovits und Benjamin Nissner:

Was kann Ali, was Benni nicht kann?

Wukovits: Alles!

Nissner: Geht’s nur um Eishockey oder auch Privates?

Was dir einfällt, Benni.

Nissner: Okay, weil privat wüsste ich jetzt nichts, was Ali besser kann.

Wukovits: Also eines fällt mir aber ein, wir kochen gleich schlecht und sind gleich gut beim essen gehen und ganz provokant behaupte ich, bin ich der bessere Kicker von uns zwei.

Wir können den Spieß auch umdrehen und einfach sagen, was kann Benni besser als Ali?

Nissner: Ich glaube, beim Kicken bin ich besser als Ali.

Wissen das auch die Kumpels in Hütteldorf?

Nissner: Hütteldorf? Was das angeht, bin ich eher Violett angehaucht.

Wukovits: Beim Face-Off ist Nissi wirklich sehr gut, das möchte ich festhalten. Eine Macht, dieser Typ!

Nun haben einige Spieler eine Art Ritual. Hat auch Benjamin Nissner ein Ritual vor jeder Partie?

Nissner: Puh, ich sitze rund 1,5 Stunden vor einer Partie einfach mal da und trinke einen Kaffee, quatsche bisschen mit den Kollegen und schalte ab.

Wukovits: Benni ist wirklich meistens einer der ersten Spieler in der Kabine.

Ali, weißt du eigentlich, wer der beste +- Spieler der Bullen in der vergangenen Saison war?

Wukovits: Ja das ist doch einfach. Der Benni natürlich, eh klar!

Beschreibt den EC Red Bull Salzburg in einem Satz:

Wukovits: Professionell.

..in einem Satz.

Wukovits: Achso, sorry! Der Verein ist sehr zielstrebig, professionell und engagiert. Es gibt nur ein Ziel und das ist die Spitze.

Nissner: Genau, so kann man das sagen und das ist auch immer schön zu hören.

Lieber Ali, lieber Benni, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Es hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht, mit euch zu plaudern. Auf eine erfolgreiche Saison in der Mozartstadt und bis bald in der Halle!

Interview: Mathias Funk
Fotos:
REDBULL