Marco Pewal zählte zu den besten österreichischen Eishockeyspielern. Der ehemalige VSV-Profi tritt im Sommer seine neue Stelle als Headcoach der Adler Kitzbühel an. Eishockeyonline.at Redakteur Mathias Funk hat sich mit dem sympathischen Kärntner im Sportpark Kitzbühel, der neuen Heimat Pewals, zum Interview getroffen. Der 43-Jährige sprach dabei über seine Aufgabe in der Gamsstadt, seine persönlichen Ziele sowie über die anstehende Saison in der Alps Hockey League.

Marco, Danke, dass du dir Zeit nimmst und uns Rede & Antwort stehst. Du bist neu hier in Kitzbühel. Wie geht’s dir und wie sind deine ersten Eindrücke vom Klub aber auch der Stadt?

Pewal: Die ersten Gespräche waren schon im Frühjahr, welche ich mit dem Vorstand geführt habe. Ich war von Beginn an sehr begeistert von der Stadt und der Umgebung. Man hat hier eine Vision und der Klub möchte was aufbauen, das war mir sehr wichtig in meiner Entscheidung, die Unterschrift zu setzen und das Angebot anzunehmen.

Stichwort Vision: Was genau möchte man denn hier in Kitzbühel aufbauen?

Pewal: In den letzten Jahren war in Kitzbühel nicht wirklich eine Eishockey-Kultur. Wir wollen von unten an ein System aufbauen und auch das Off-Ice Training verbessern, denn das war in den letzten Jahren auch nicht wirklich am Start. Es ist wichtig, dass wir hier eine ordentliche Kultur in den Klub und die Mannschaft bekommen.

Die Adler haben im Sommer viel verändert. Zahlreiche Spieler haben den Verein verlassen und viele sind dazugestoßen. Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Kaderplanung?

Pewal: Wir haben uns hier intern sehr gut ausgetauscht und auch gut am Spielermaterial gearbeitet. Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Kader. Auch wenn wir die ein,- oder andere Absage bekommen haben, konnten wir dennoch unsere Wunschspieler verpflichten. Der Markt mit österreichischen Spielern ist nicht wirklich groß, deshalb sind wir doppelt zufrieden, dass wir gute Österreicher an Land ziehen konnten.

Du hast soeben den klammen Österreicher-Markt angesprochen. Wie sehr schmerzt dann zum Beispiel ein Kittinger-Abgang, bringt der ja eigentlich Gardemaße mit?

Pewal: Ich kenne Patrik leider nicht, habe aber gehört, dass er ein sehr guter Spieler ist. Leider weiß ich nicht, was vorgefallen ist, war er in unserer Kaderplanung eigentlich nie wirklich Thema.

VSV GM Andreas Napokoj sagte hier bei eishockeyonline.at vor kurzem, dass die Kooperation mit den Adlern positive Auswirkungen auf den VSV haben wird. Wie sieht’s umgekehrt aus? Was versprichst du dir als Coach von der Zusammenarbeit mit deinem Heimatverein?

Pewal: Ich denke, wir können hier von einer „Win-Win-Situation“ sprechen. Denn wie auch Villach werden wir als EC Kitzbühel von so einer Kooperation natürlich profitieren. Schon in der letzten Saison wurde gut zusammengearbeitet und jetzt wollen wir noch mehr in die Tiefe gehen. Wir dürfen uns auf vier bis fünf gute VSV-Spieler freuen und sehen, wie das dann mit der Kooperation laufen wird und wie oft die VSV-Spieler tatsächlich bei den Adlern gebraucht werden.

Das dürfte die Kaderplanung ja auch etwas unsicher machen, wenn man nicht weiß, auf wen man tatsächlich zurückgreifen kann, oder?

Pewal: Ja klar! Wir wissen zwar wer fix bei uns sein wird, allerdings von den Kooperations-Spielern können wir nicht sagen, wer wie oft bei uns in Kitzbühel zum Einsatz kommen kann.

In den letzten Jahren warst du beim Verband tätig und auch im Trainerteam des Villacher SV. Wie groß wird der Unterschied sein im Vergleich zur Arbeit hier in Kitzbühel?

Pewal: Sicherlich habe ich jetzt mehr Verantwortung, das steht fest. Auch der Druck dürfte im Vergleich zu meiner Aufgabe beim ÖEHV zunehmen. Wir haben eine junge Mannschaft und wollen Spieler weiterentwickeln, damit sie besser werden. Unser Ziel ist es nicht, dass sie hier bei uns in der Zweiten Liga bleiben, sondern im Gegenteil. Wir wollen Spieler ausbilden und entwickeln, damit diese den Sprung in die Bundesliga, zum Beispiel zum VSV, schaffen. Das ist uns außerordentlich wichtig und das ist die Aufgabe von mir und meinem Coaching-Staff.

Die Arbeit beim Verband ändert sich für mich nicht, denn ich werde auch im Winter Teil der U20 bleiben. Jetzt im Sommer schnappt sich Philipp Pinter das Team und fliegt mit den Jungs zur U20 – WM nach Kanada. Ich wollte nicht gleich als Headcoach zum Start der Vorbereitung fehlen. Herzlichen Dank an der Stelle an Roger Bader, welcher das absegnete.

Was traust du generell der jungen ÖEHV-Mannschaft in Übersee zu?

Pewal: Wir haben in den letzten zwei Jahren schon gesehen, dass das eine andere Welt des Eishockeys ist und haben uns dennoch gut verkauft. Wir sind von Spiel zu Spiel stärker geworden. Die Vorbereitung auf dieses Turnier ist natürlich sehr kurz, um eine Philosophie zu übermitteln. Leider haben einzelne Spieler abgesagt und trotzdem sollten die Jungs alles versuchen. Aber der ÖEHV und Eishockey-Österreich muss grundsätzlich schon realistisch bleiben.

Wenn wir das wiederum mit der Vision der Adler, Spieler für die Bundesliga auszubilden, vergleichen, ist das dann genau das, was vielen Klubs in Österreich fehlt?

Pewal: Ich möchte nicht an dem Wort „Ausbildungsverein“ stagnieren. Natürlich wollen wir – wie alle anderen Teams auch – erfolgreich sein. Wir wissen aber, wie schwer es ist, beide Dinge unter einen Hut zu zaubern. Wir wollen die Spieler für die Bundesliga entwickeln und gleichzeitig erfolgreich sein. Das dürfte die Challenge der Saison werden. Ich verstehe aber natürlich auch die anderen Klubs, wollen am Ende alle Erfolge feiern und die Fans in die Hallen bringen. Wir haben aber nun diese Kooperation mit Villach und wir sind davon überzeugt, dass wir diesen Weg so gehen wollen und schlussendlich auch werden. Sicherlich möchten wir unseren Fans aber auch was bieten.

“Unser Ziel ist es, Spieler für die Bundesliga zu entwickeln und dennoch erfolgreich zu sein!” – Marco Pewal im Interview bei eishockeyonline.at

Kommen wir zur Liga. Asiago und Feldkirch sind raus, hinzu kamen die Cavaliers aus dem Unterland. Die Alps Hockey League hat also zwei ganz dicke Brocken verloren. Ist es nun so einfach wie nie, dass ein österreichisches Team am Ende den Titel holt?

Pewal: Schwer zu sagen. Um ehrlich zu sein, kenne ich in dieser Liga nur die österreichischen Klubs und Jesenice. Von den Italienern weiß ich relativ wenig. Aber klar ist schon, dass mit Feldkirch und Asiago zwei Top-Teams die Liga verlassen haben und bei Neueinsteger Unterland werden wir sehen, was passiert. Man hat aber letzte Saison im Oberhaus schon beobachtet, was Pustertal in der ICE gezeigt hat. Die haben am Ende auch sehr gut mitgespielt. Grundsätzlich kann man sagen, dass es positiv ist, wenn sich in der Liga so viele gute Mannschaften wie möglich einreihen. Nur so können sich unsere jungen Spieler auch entwickeln.

Wer ist generell dein Top-Favorit und wer hat sich deiner Meinung am besten verstärkt?

Pewal: Jesenice kann man fix im Kreis der Top-Favoriten nennen und auch Zell am See hat sich im Sommer wirklich sehr gut verstärkt. Hinzu kommen natürlich die Buam aus Ritten, wie schon die Jahre zuvor. Ich denke, mit diesen drei Mannschaften kann man heuer rechnen.

Natürlich wissen wir, es ist noch früh in der Saison. Aber welche persönlichen Ziele verfolgt du hier bei den Adlern?

Pewal: Wie schon gesagt, wir möchten Spieler weiterentwickeln. Wir müssen als Team zusammenwachsen und „Step by Step“ unsere Schritte gehen.

Nun zählt Kitzbühel zu den finanzstarken Klubs in der Liga, welche auch eine gute Struktur vorweisen. Wie wichtig war dir das, um hier die Unterschrift zu setzen?

Pewal: Das war mir natürlich sehr wichtig. Ich hatte sehr gute Gespräche mit Volker Zeh und so war ich von Beginn an fest davon überzeugt, dass das was werden kann und hier was entstehen soll und vor allem auch kann. Du hast es schon richtig gesagt, wir haben hier einen sehr guten Background und das macht das Arbeiten natürlich sehr einfach.

5 Kurzfragen an Marco Pewal:

Beschreibe Kitzbühel in einem Satz: Puh, das kann man nicht.
Der härteste Gegenspieler meiner Karriere? Manuel Latusa. Das war ein sehr schmutziger Spieler.
Der größte Erfolg meiner Karriere und warum? Da würde ich ins Private gehen und sagen, dass meine Familie mein bisher größter Erfolg war.
Kärnten oder Tirol? Kärnten!
Das Vorbild von Marco Pewal? Ich habe früher nie an Eishockey als Profi gedacht, sondern habe den Sport einfach geliebt. Ich hatte Lieblingsspieler und Lieblingsmannschaften, zum Beispiel Innsbruck. Aber kein direktes Vorbild.

Interview: Mathias Funk
Fotos: Bernd Stefan