Herr Constantine, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen, um uns einige Fragen zu beantworten. Wie haben Sie bisher die Sommerpause verbracht, insbesondere die Zeit nach dem verlorenen Finale gegen Salzburg?

Kevin Constantine: Den Sommer habe ich mit meiner Frau und meinem Sohn verbracht. Ich versuche in meiner Freizeit ein guter Ehemann und Vater zu sein. Während den Wintermonaten opfert meine Familie sehr viel, damit ich in Europa als Cheftrainer arbeiten und auch leben kann. So versuche ich, möglichst viel zurückzugeben. Im Sommer sind wir meist in Pittsburgh. Sobald die Ferien beginnen geht es nach Minnesota, dort haben wir ein Haus am See bzw. an den Wasserfällen der Stadt. Ich bin dort geboren und aufgewachsen, deshalb fühlen wir uns hier sehr wohl.

Was war am Ende ausschlaggebend dafür, dass Sie den Bullen in vier Spielen keinen Sieg entreißen konnten?

Kevin Constantine: Einfache Frage! Die Salzburger waren mit Abstand das beste Team in der Liga. Alle anderen waren eine Klasse schwächer, niemand konnte die Bullen im Playoff schlagen. Grundsätzlich hatten wir in den Viertel,- und Halbfinals einen guten Lauf, gegen Salzburg war aber schnell spürbar, dass dieser endet. Doch allein die Tatsache, dass wir kein einziges Spiel gegen Salzburg gewinnen konnten, zeigt, dass der Titel verdient in die Mozartstadt ging.

Trotzdem war die Saison sehr erfolgreich, das steht außer Frage. In der kommenden Saison spielen Sie mit den Teufeln erstmals in der Champions Hockey League. Wie sehr freuen Sie sich auf die CHL und welchen Stellenwert genießt dieser Wettbewerb innerhalb des Vereins?

Kevin Constantine: Ich denke nicht nur die Stadt Szekesfehervar, sondern ganz Ungarn freut sich auf diesen Wettbewerb. Auch für mich wird es eine neue Erfahrung werden, da ich als Nordamerikaner relativ wenig über die CHL weiß. Es wird sicherlich aufregend!

Dann ist es bestimmt nicht so einfach, die zugeloste Gruppe zu bewerten, oder?

Kevin Constantine: Das stimmt. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie ich die Teams in der CHL einschätzen soll. Ebenso wusste ich aber letzte Saison schon nicht, wie ich Fehervar AV19 beurteilen soll, weil ich neu in der Liga war. Ebenso wie jetzt in der CHL, wo ich als Neuling auf der Trainerbank stehe.

Kommen wir zu Ihnen. Neben Fehervar sind Sie nun auch Cheftrainer der ungarischen Nationalmannschaft. Wie kam es dazu? Ist es nur logisch, wenn man den besten ungarischen Klub trainiert? Ungefähr so wie die Italiener das managen?

Kevin Constantine: Der Verband hat mich im Juni kontaktiert und das Interesse bekundet. Sicherlich ist es ein Grund, dass ich hier in Fehervar zahlreiche Nationalspieler trainiere und somit schon einige Spieler sehr gut kenne. Allerdings habe ich mir viel Zeit gelassen und den Job nicht sofort angenommen, da ich zunächst mit Sean Simpson, dem Ex-Coach der Ungarn sowie mit meinem General Manager Viktor Szelig sprechen wollte, ist es immerhin eine enorme Herausforderung neben den Teufeln auch das Nationalteam zu betreuen. Nach gut einem Monat Verhandlungen habe ich dann aber meine Unterschrift gesetzt, da ich glaube, dass dies eine gute Gelegenheit für mich persönlich ist. Ich bin den Verantwortlichen wirklich sehr dankbar, dass sie mir diese Chance ermöglichen.

Kevin Constantine führte Fehervar AV19 in seiner ersten Saison nicht zur zum Vizemeister 2022, sondern auch in die Gruppenphase der Champions Hockey League!

Was glauben Sie, wie vergleichbar ist die Arbeit bei Fehervar mit der Arbeit bei der Nationalmannschaft?

Kevin Constantine: Ich denke schon, dass die beiden Aufgaben sehr ähnlich sein werden. Der größte Unterscheid dürfte die Zeit werden, welche man mit den Teams verbringt. Denn in Szekesfehervar sind wir rund sieben Monate zusammen, um sich für die Playoffs vorzubereiten und beim Nationalteam sind es weniger als acht Wochen. Und hier geht es um Weltmeisterschaften! Aber die Konzepte, Strategien und Taktiken sind immer gleich!

Auch in der Liga hat sich im Sommer einiges getan. Bratislava ist zurück, Asiago und Vorarlberg neu in der Liga. Dornbirn und Znojmo sind hingegen raus aus dem Startfeld. Was erwarten Sie sich davon?

Kevin Constantine: Als ich vergangenen Sommer nach Fehervar kam, wusste ich nicht wirklich viel über diese Liga. Wir schenken den anderen Teams in der ICEHL auch relativ wenig Aufmerksamkeit und konzentrieren uns mehr auf unsere eigenen Aufgaben. Ich bin der Meinung, dass wir in einer sehr, sehr guten Liga spielen und ich habe wirklich jedes Match auf der Bank genossen. Man hat auch während den Coronazeiten gemerkt, wie professionell die Liga und auch die Teams arbeiten. Das war wirklich eine sehr herausfordernde Zeit für alle Beteiligten.

..also fühlen Sie sich richtig wohl in der ICE Hockey League?

Kevin Constantine:
Ja, aber ganz bestimmt! Die Standorte sind ebenso reizvoll wie die Fans, welche jede Woche für eine gute Stimmung in den Hallen sorgen. Lediglich die Auswärtsreisen sind für uns immer sehr herausfordernd. Wir reisen mehr wie jedes andere Team in der Liga und sind wesentlich mehr Kilometer im Bus wie manch andere Mannschaft. Aber mit dieser Truppe und meinem Trainerteam machen sogar die langen Busfahrten wahnsinnig viel Spaß!

..und was halten Sie von den Neueinsteigern Asiago und Vorarlberg, aber auch von der Rückkehr von Bratislava?

Kevin Constantine:
Ich finde es großartig, neue Teams in der Liga zu begrüßen. Ich bin gespannt, wie diese sich schlagen werden. Pustertal hat vergangene Saison schnell ein gutes Spiel gefunden, in der ICE Hockey League seine Spuren hinterlassen und sich stets gut entwickelt. Gleiches erwarte ich auch von Asiago und Vorarlberg. Wir dürfen uns auf eine spannende Meisterschaft freuen!

Herr Constantine, es war mir eine Ehre! Ich wünsche Ihnen alles Gute und einen erfolgreichen Start in die neue Saison!

Kevin Constantine: Sehr gerne! Vielen Dank für die Fragen! Wir sehen uns in der Halle!

Interview: Mathias Funk / Fotos: Bernd Stefan