Krisen beschäftigen seit geraumer Zeit unsere Gesellschaft. Die Pandemie und die russische Invasion in der Ukraine hinterlassen auch im Profi,- und Breitensport Spuren, so sind besonders im Energiepreissektor die Auswirkungen in aller Deutlichkeit spürbar. Wie Österreich – speziell das Bundesland Salzburg – damit umgeht und an welchen Schrauben gedreht werden muss, darüber hat sich eishockeyonline.at Redakteur Mathias Funk mit Landesrat Mag. Stefan Schnöll (ÖVP) unterhalten.

Sehr geehrter Herr Mag. Schnöll, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, um uns ein paar wenige Fragen zu beantworten. Starten wir mit einem kurzen Rückblick auf die Pandemie. – Wie schwierig waren die letzten beiden Jahre für den Landesrat Sport in Salzburg?

Schnöll: Es war wirklich eine sehr schwierige Zeit für mich in den unterschiedlichsten Verantwortungsbereichen. Vor allem im Sport, denn wenn wir merken, dass der organisierte Sport nicht mehr die Möglichkeiten hat oder bekommt, ausgeübt zu werden, dann drückt das speziell auf die Moral der Ehrenamtlichen und diese Menschen sind ja eigentlich das Entscheidende. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier in der Regel keine bezahlten Mitarbeiter haben, sondern fast nur ehrenamtliche Mitarbeiter. Wenn diese dann die Lust und Laune verlieren, dann merkt man ja eigentlich erst, wie schwierig es ist, den Sport auf diesem Niveau auszuführen. Auch die jungen Menschen, welche den Sport ausüben. Speziell für diese Gruppe ist es wichtig, dass sie einen Rahmen vorfinden. Und deshalb muss es Menschen geben, die sich um die Sportstätten kümmern und/oder als Trainer zu Verfügung stehen.

Langsam geht es aber wieder bergauf und die Zuschauer sind zurück in den Stadien! Speziell in den Sportarten wie Eishockey, Basketball oder Volleyball war dies eine echte Herausforderung. Wie zufrieden sind sie mit der Umsetzung und der Konzepte in den Hallen und wie froh macht es Sie, dass auch wieder Stimmung in den Hallen herrscht und Menschen wieder zusammenfinden?

Schnöll: Dass die Zuschauer wieder zurück in den Hallen sind, macht uns wirklich sehr froh. Wir haben im Bundesland Salzburg aber auch sehr schnell reagiert und Maßnahmen getroffen. Zum Beispiel mit der Auszahlung von Corona-Hilfen, hier haben wir umgehend 1 Million Euro an die Vereine bezahlt und entgegengewirkt. Aber natürlich steht und fällt alles mit den jeweiligen Einschränkungen auf Bundesebene. Die waren aus gutem Grund schon sehr dramatisch. Ich denke, wir haben jetzt aber gelernt, damit umzugehen und wir rechnen in derzeit mit keinerlei weiteren Einschränkungen und ich kann nur sagen, dass hier in Salzburg die Situation derzeit sehr stabil ist. Auch auf den Stationen der Spitäler, das zeigen die Zahlen und auch Abwasseranalysen.

Das heißt, Sie rechnen mit keiner neuen Welle und schließen deshalb weitere Einschränkungen aus?

Schnöll: Ausschließen kann man es natürlich nicht. Wir müssen uns aber darauf verlassen, was die Mehrzahl an Experten vermutet und voraussagt. Stand jetzt rechne ich nicht damit, weil die Analysen ein sehr konstantes Bild ergeben und eben auch die Zahlen sich im Rahmen bewegen. Ich denke, man muss jetzt einfach mit dieser Krankheit umgehen können.

Findet da derzeit schon ein Austausch mit den Klubs statt, um große Fragezeichen bei einer möglichen Welle mit Einschränkungen in der Gesellschaft zu vermeiden oder wartet man die Situation zunächst ab?

Schnöll: Wir sind immer in Kontakt und die Konzepte gibt es auch noch. Die Klubs und Vereine sind weiter sensibilisiert, aber ich glaube, dass es nun wichtig ist, sehr viele Dinge wieder in Gang zu setzen. Wir dürfen nicht vergessen, dass so eine lange Pause im Sport und speziell mit den Menschen etwas bewirkt hat. Darum ist es jetzt wichtig, diese schwierige Phase und Lethargie zu beenden und dem Ausblick eine Perspektive zu geben. Jetzt haben wir andere Herausforderungen vor uns mit der Energiekrise. Deshalb hoffe ich, dass uns die Corona-Pandemie in den nächsten Monaten nicht auch noch beschäftigen wird.

Sie haben es schon angesprochen. Stichwort Russland und die Ukraine: Die Energiekosten platzen aus allen Nähten. Wie unterstützt die Politik die Hallensport-Vereine in Salzburg und der Region?

Schnöll: Wir werden da natürlich unterstützen. Es gibt derzeit vielerlei Lösungsansätze. Diese beginnen beim Strompreisdeckel und gehen über nationale Subventionen. Ich glaube, es darf hier keine Denkverbote geben, denn was wir hier erleben, ist wirklich beispiellos. Wir waren sehr früh bemüht auf die kommende Problematik bei Sportvereinen hinzuweisen, weil die Energiekosten für die Instandhaltung der Infrastruktur sehr, sehr hoch sind. Die extremen Preise treffen, und das ist schon schlimm genug, einzelne private Personen sowie zahlreiche Unternehmen und eben auch Vereine, in denen so viele ehrenamtliche Menschen mitwirken und dann teilweise auch die Haftung für diese Vereine übernehmen. Da müssen wir, wie schon in der Pandemie, ein ganz besonderes Auge darauf werfen. Wir schauen also, dass wir hier gegensteuern und fest in der Budgetplanung verankern, wenn es um die Förderung der einzelnen Verbände geht.

Gerade die Eisarena im Volksgarten war zuletzt schwer in der Kritik, verstand die Gesellschaft nicht, weshalb Salzburg im August Eis benötigt. Können sie diese Kritik nachvollziehen?

Schnöll: Natürlich ist jeder Mensch derzeit dazu angehalten, einen Teil dazu beizutragen und natürlich leisten auch die Sportvereine ihren Teil dazu. Ob es da jetzt um Heizungskosten geht oder andere energiesparende Themen. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass zum Beispiel bei Schwimmbäder die Wassertemperatur nicht mehr auf Regeltemperatur geheizt wird, sondern schon etwas darunter. Alles aber so, dass man die Sportarten weiterhin ausüben kann. Gleiches gilt für Eisflächen. Sicher gibt es Einsparungs-Potential, welches man jetzt unbedingt nutzen muss. Die Zeiten sind einfach vorbei, dass man ungehindert den Strom und damit auch das Gas oder die Fernwärme fließen lässt, damit die Kühlungssysteme laufen. Das heißt, wir alle müssen wesentlich genauer hinsehen. Alles, was eben am Ende nicht mehr geht, müssen wir mit Subventionen abdecken. Ich plädiere aber ganz stark dafür, dass wir den Sport nach der Coronakrise nicht nochmals derart einschränken und drosseln, nur weil jetzt eine weitere Herausforderung ansteht. Ich denke, das spreche ich auch ganz klar im Sinne der Gesellschaft. Wir haben ja gesehen, was das speziell im Jugend-Sektor für Nachwirkungen trägt. Das wollen wir so nicht mehr in Kauf nehmen.

Sie sprechen die Kinder, die Jugend und damit unseren Nachwuchs an. Nun gibt es speziell im Eishockey das Projekt “Eishockey 1×1”. Hier können Kinder zwischen dem vierten und zehnten Lebensjahr erstmals auf das Eis gehen und schnuppern. Wie wichtig sehen Sie solche Projekte speziell nach solch eine Coronakrise und in Zeiten, welche für unseren Nachwuchs der Gesellschaft immer schwieriger werden?

Schnöll: Es kann nicht genug solcher Projekte geben, deshalb habe ich umgehend nach der Pandemie versucht, unsere Vereine wieder zu ermutigen, um solche Veranstaltungen wieder abzuhalten. In vielen Fällen hat das sehr gut geklappt und ich war dann wirklich überrascht, wie schnell hier manche Klubs und Vereine Veranstaltungen aus dem Boden geschossen haben. Da geht es nicht um irgendeinen Profit, sondern das zeigt deutlich, dass die Menschen solche Veranstaltungen wollen und brauchen. Wir benötigen das im Sport als eine Art “Leuchtturm-Projekte” und wir brauchen es nicht nur für die Zuschauer, sondern speziell für unsere Kinder und Jugendlichen, die auf solche Events dann eben auch hin planen und hin denken. Das Eishockey 1×1 in Zell am See, Salzburg oder an anderen Standorten im Bundesland Salzburg ist sicherlich eines dieser Beispiele. Es gibt aber auch zahlreiche andere, die hier sehr wichtig sind. Wir als Gesellschaft und wir hier in der Politik sind gefordert, einen Rahmen zu bilden, der es dann erlaubt, solche Veranstaltungen durchzuführen.

Apropos Eishalle. Wie sehen denn die Neubaupläne der Volksgartenarena aus? Auf welchem Stand befinden sich die Verhandlungen und wie sähe eine etwaige Finanzierung aus? Ist das Sache des Klubs oder kommt hier die Unterstützung von der Stadt und vom Land?

Schnöll: Es gibt derzeit laufend Gespräche. Doch sind wir uns ehrlich, momentan ist es nicht ganz so einfach. Wir erleben eine sehr schwierige Situation in der Baubranche und Eishallen sind extrem kostenintensiv. Nicht nur im Bau, sondern eigentlich noch mehr im Betrieb. Das muss man sich schon sehr genau überlegen und Schnellschüsse sind hier wirklich nicht gefragt. Die einzelnen “Player” müssen bedacht zusammenwirken und da ist die Stadt Salzburg und auch Red Bull ein sehr wichtiger Partner für uns. Ergo, wir überlegen uns hier schon einzelne Konzepte, welche für ein mediales Gespräch aber noch nicht spruchreif sind.

Nun ist Salzburg erfolgsverwöhnt und hat wirklich viele gute und erfolgreiche Vereine in diversen Disziplinen. Welcher Klub beeindruckt Sie derzeit am meisten und wo müssen sie unbedingt öfter hin?

Schnöll: Aufgrund meiner fußballerischen Vergangenheit bin ich natürlich sehr gerne beim Fußball im Stadion. Aber ich bin auch gerne im Eishockey und ich habe tatsächlich mittlerweile ein Fabel für diverse Sportarten. So werfe ich auch ein Auge auf Tischtennis und Rhönrad. Ich finde es unglaublich, was sich hier in Salzburg alles abspielt und wo wir überall an der Spitze sind. Natürlich steht vieles im Schatten von Fußball und dem Skisport. Nichts ist gottgegeben, sondern es sind überall Menschen am Werk, die ihr Handwerk wirklich außerordentlich gut verstehen und sehr gute Dinge machen. Es gibt aber eben auch sehr viele andere Dinge bzw. Sportarten, die ebenso große Leistungen erbringen.