Zum wiederholten Male standen sich Kanada und Finnland in einem Finale gegenüber. Auf dem Weg dahin, hatten beide Teams unterschiedliche Voraussetzungen. Finnland wurde mühelos erster in der Gruppe B, während Kanada nur den dritten Platz in ihrer Gruppe A belegte. Im Viertelfinale konnte der Gastgeber die Slowakei mehr oder weniger mühelos eliminieren, ehe man sich im Halbfinale einen harten Kampf mit den Ersatzgeschwächten Amerikanern lieferte. Die Ahornblätter hatten im Viertelfinale den Nachbarn aus Schweden vor der Brust und siegten hier in einem denkwürdigen Spiel nach Verlängerung. Im Halbfinale waren die Tschechien ein insgesamt gefahrloser Gegner.

Intensiver Beginn im Finale

Das Spiel begann in der ausverkauften Nokia Arena in Tampere direkt mit intensiven Zweikämpfen für die beide Teams bekannt sind. Wie erwartet waren die Kanadier die spielbestimmende Mannschaft, während die Gastgeber sich wie gewohnt auf ihre Defensive konzentrierten. Die Finnen kamen immer mal wieder zu kleinen Nadelstichen, hatten aber in ihrer eigenen Zone mitunter auch Probleme mit dem harten kanadischen Forechecking. Josh Anderson hätte in der 11.Spielminute fast von solch einem Forechecking profitiert, scheiterte aber am starken Olkinuroa.

Kanada zeigte warum sie in den letzten sieben Jahren, insgesamt sechsmal im Finale standen. Immer wieder versuchten sie das Spiel schnell zu halten und eroberte Pucks direkt in das finnische Drittel zu bringen. Die Banden wackelten weiterhin im ersten Drittel gewaltig. Chancen waren dagegen insgesamt eher Mangelware, so dass es mit einem gerechten 0:0 Unentschieden in die Kabine ging.

Kanada mit dem Führungstreffer

Finnland kam zu Beginn des zweiten Drittels mit einer kleinen Druckphase aus der Kabine, jedoch konnte sich das Team von Claude Julien ohne größeren Schaden zu nehmen befreien und holten ihrerseits das erste Powerplay des Spiels heraus. Das beste Powerplay des Turniers schlug sofort zu. Barzal spielte spielt den Querpass durch die defensive Box und Cozens zog direkt ab und traf zur 1:0 Führung nach 24 Spielminuten. Kanadas Körperspiel und Forechecking zeigte immer mehr Wirkung. Das Aufbauspiel des Gastgebers wurde so immer wieder gestört und einige Fehlpässe schlichen sich ins Spiel ein.

Finnland war offensiv nach dem Rückstand etwas mehr gefordert. Driedger im kanadischen Tor war nun das eine oder andere Mal mehr im Fokus, jedoch waren es oft ungefährliche Schüsse von außen, da die kanadische Auswahl im Slot nichts zu ließ. Nach fast 32 Spielminuten musste Holden auf der Strafbank Platz nehmen. Granlund und Manninen hatten im anschließenden Powerplay die größten Chancen auf dem Schläger, aber die kanadischen Defensive hielt dem Druck stand. Kurz nach dem Ende des finnischen Powerplay, kamen die Kanadier zu ihrem zweiten Powerplay. Dieses überstanden die Finnen dank einen großartigen Blockes von Ohtamaa gegen Cozens ohne weiteren Gegentreffer. Finnland war nun besser im Spiel, das eigene Powerplay hatte ihnen wohl viel Energie gegeben. Einen Treffer erzielten sie aber nicht mehr und so ging es mit einem 0:1 Rückstand in die zweite Drittelpause.

Schiedsrichter zwingt Kanada zum Comeback

Jukka Jalonen war nun gefordert. Sein Team brauchte einen Treffer, um den Ausgleich zu erzielen. Roy kassierte gleich zu Beginn des dritten Drittels eine unnötige Strafe und gab so den Finnen die Möglichkeit ihren ersten Treffer zu erzielen. Sechs Sekunden vor Ende der Strafe gegen Roy musste ein weiterer Kanadier auf der Strafbank Platz nehmen. Die kurze fünf gegen drei Überzahl brachte nichts ein, doch wieder nur kurze Zeit später traf es wieder einen Kanadier. Sillinger hatte einen vermeintlichen hohen Stock getätigt, welcher eigentlich keiner war, da sich Heiskanen seinen eigenen Schläger ins Gesicht haute. Granlund nutze diese strittige Strafzeit jedoch gnadenlos zum 1:1 aus. Driedger verletzte sich in dieser Szene und Tomkins, der noch keine einzige Minute im Turnier gespielt hatte, kam für ihn in den Kasten. Weiterhin waren die Finnen in Überzahl und erneut konnte Granlund diese zum 2:1 nutzen.

Nach dem Führungstreffer wirkten die Kanadier gereizt und die Zweikämpfe und Checks nahmen auf beiden Seiten noch einmal an Intensität zu. Die Finnen verlegten ihre Aktivitäten auf Konter und chipten die Scheibe nur noch aus der eigenen Zone heraus. Sechs Minuten vor dem Ende entschied Joel Armia vermeintlich die Partie. Nach einem Bullygewinn zog er direkt ab, über die Schulter von Tomkins schlug der Puck im Tor zum 3:1 ein. Früh zog Claude Julien daraufhin den Torhüter. Das Risiko wurde belohnt. Whitecloud bekam den Puck von Barzal, der den Puck im Tor unterbrachte. Der anschließende Videobeweis bestätigte das Tor. Direkt nach Wiederbeginn nahmen die Kanadier den Torhüter erneut vom Eis. Comtois bekam dann den Puck im Slot und erzielte kurz vor dem Ende noch den umjubelten Ausgleich. Wieder ein Comeback der Kanadier, wie schon im Viertelfinale gegen Schweden. Cozens kurz vor dem Ende sogar fast mit dem Siegtreffer. Es blieb beim 3:3 nach 60 Minuten und ging in die Overtime.

Manninen schießt Finnland zum Titel

Die Overtime wurde im Format drei gegen drei Sudden Death gespielt. Die Spannung in der Arena von Tampere war natürlich gigantisch. Der starke Barzal war, der erste der die Möglichkeit zur Entscheidung hatte, traf aber nur das Außennetz. Die Teams agierten natürlich vorsichtig. Heiskanen versuchte gegen Tomkins den Bauerntrick, doch auch er traf nicht. Anschließend nahm Chabot auf der Strafbank Platz. Erneut war es ein fragwürdige Strafe in so einer Phase des Spiels. Der Druck auf das kanadische Team war nun groß. Grandlund bediente Manninen, der per Direktschuss den Puck zum Weltmeistertitel einschoss.

Finnland holt den vierten Weltmeistertitel und Valtteri Filppula steigt in den Triple Gold Club auf. Herzlichen Glückwunsch!

IIHF WM 2022 – Finale
Finnland – Kanada 4:3 OT (0:0|0:1|3:2|1:0)

Tore:
0:1 |25.| Cozens (Barzal, Severson) PP
1:1 |45.| Granlund (Heiskanen, Lehtonen) PP
2:1 |46.| Granlund (Lehtonen, Hartikainen) PP
3:1 |55.| Armia (Lammikko)
3:2 |58.| Whitecloud (Barzal, Anderson)
3:3 |59.| Comtois (Barzal, Batherson)
4:3 |67.| Manninen (Granlund, Heiskanen) PP

Zuschauer: 11487

MVP Jussi Olkinuora