Die Alps Hockey League ist mitten im Grunddurchgang und auch die Zeller Eisbären spielen im oberen Drittel der Liga mit. Allerdings ging es beim Liga-Rückkehrer in der laufenden Spielzeit bereits ordentlich zur Sache. Nachdem im Sommer eine neue sportliche Leitung installiert und ein neues Team zusammengestellt wurde, folgten bislang Nachverpflichtungen sowie ein Trainerwechsel. Sportlich läuft es mal gut, mal schlecht. Die Konstanz, sie fehlt derzeit bei den Pinzgauern. Grund genug, um sich mit dem sportlichen Leiter Patrick Schwarz zu unterhalten. Der neue Mann für’s Eingemachte brachte auch seinen Kapitän mit. Hubert Berger führt nicht nur die Eisbären auf dem Eis an, sondern zählt auch intern zu den Besten. Redaktionsleiter Mathias Funk hatte die beiden lässigen Typen zum Gespräch.

Wir befinden uns mitten im Grunddurchgang, wie fällt denn das bisherige sportliche Fazit aus, Hubert?

Berger: Wir hatten eine gute Vorbereitung mit einem leider schwierigen Start. Danach sind wir jedoch gut in Fahrt gekommen und zuletzt aber wieder etwas an Schwung verloren. Das liegt auch daran, weil wir aktuell kein konstantes Eishockey zeigen. Wir haben immer 20 Minuten dabei, wo es nicht so gut läuft. So kann man keine Spiele gewinnen.

..und Patrick, als Geschäftsführer siehst du das auch so? Du hast vor der Saison davon gesprochen, dass du dir einen hungrigen EKZ erwartest.

Schwarz: Ja vorweg einmal müssen einmal alle bedenken, wo wir noch vor einem Jahr waren! Da hatten wir in der Kärntner Liga gespielt, durften aber aufgrund des Lockdowns nur zwei Spiele bestreiten. Jetzt spielen wir in der Alps Hockey League und sind aktuell voll im Rennen um einen Play-Off-Platz. Die Saison wird von sehr vielen Up,- and Downs geprägt. So war meiner Meinung nach auch die Vorbereitung, und der holprige Start in die heurige Spielzeit. Alles in allem spielen wir trotzdem eine gute Comeback Saison, es wird nämlich immer Phasen geben, wo es mal besser oder auch einmal schlechter läuft, so ist eben das Sport-Business. Die größte Thematik sehe ich in der Konstanz bei den Ergebnissen. Wir hatten aber wie gesagt, auch viele gute und spannende Spiele.

Sehr auffällig ist heuer aber, dass wir oft in den letzten zwei drei Minuten eine Führung aus der Hand gegeben, oder ein sicher geglaubtes Spiel noch einmal spannend gemacht haben. Wir haben sehr viele Spiele mit einem Tor Unterschied gewonnen, die wir genauso auch verlieren hätten können, diese Spiele haben wir zuletzt halt knapp verloren. Das passiert über eine lange Saison hinweg halt auch mal, wie gesagt, solche Phasen gehören zu einem Saisonverlauf dazu. Wenn da einer geglaubt hat, dass wir da heuer durchmarschieren werden und locker in die Play Offs kommen, dann ist das bei dieser Ligastärke bei weitem nicht realistisch. Auch nicht wenn man die Ergebnisse der anderen Mannschaften betrachtet, denn in dieser spannenden Liga kann alles passieren.

Nach einem starken Start als Rückkehrer kam der Motor zuletzt etwas ins Stottern, besonders die Niederlage gegen Fassa war wirklich ärgerlich. Woran liegt das, wieso schenken die Eisbären derzeit die Punkte teils fahrlässig her?

Berger: Ich glaube, dass das auch eine Kopfsache ist. Wir gehen mit einem guten Vorsprung in das letzte Drittel und denken dann vielleicht an vorherige Spiele, wo wir einen komfortablen Vorsprung noch verspielt haben und wenn man dann ein,- oder zwei Gegentor fängt, ist plötzlich das Selbstvertrauen weg, das Team wird nervös und denkt “bitte kein Gegentor mehr!”, wenn das eintritt, passiert’s natürlich erst recht. Das Selbstverständnis muss wieder zurückkehren.

Schwarz: Wir dürfen nicht vergessen, dass wir mit Neubauer, Rattensberger und Jennes drei ganz wichtige Spielertypen in unserem Spiel wegen Verletzungen, teils nach bösen Fouls, verloren haben! Das musste das Team auch erst wegstecken, was nicht ganz einfach war bzw. ist, denn Henrik Neubauer war in den Top Drei der Ligascorer zu dem Zeitpunkt als er das unnötige Foul von dem Wiener Spieler erhalten hat. Das kann keine Mannschaft einfach so wegstecken. Ich hoffe Henrik kommt schnellstmöglich wieder zurück.

Zählt zu den internen Top-Scorern beim EKZ, Kapitän Hubert Berger.

Zählt zu den internen Top-Scorern beim EKZ, Kapitän Hubert Berger.(Foto:EKZ)

Nun tun sich die Eisbären mit dem Toreschießen relativ schwer, dennoch läuft es bei dir Hubert ganz gut, zählst zusammen mit Putnik und Sinegubovs zu den teaminternen Topscorern. Erzähl mal aus Sicht eines Centers, was die Gründe dafür sind?

Berger: Bisher ist es ganz gut für mich gelaufen, das stimmt. Das liegt aber natürlich auch an meinen Teamkollegen. Warum wir uns derzeit so schwertun ist schwierig zu beantworten. Ich denke wir versuchen zu schönes Eishockey zu spielen. Wir müssen wieder mehr Druck auf’s Tor ausüben und für mehr Verkehr sorgen und dann auch die dreckigen Tore wieder erzielen. Ein schön herausgespieltes Tor bringt den gleichen Ertrag wie eines, was vielleicht abgefälscht wurde.

Man hat in der Offensive nachjustiert und mit Juuso Rajala viel Erfahrung ins Team geholt. Die Daten des Finnen sprechen für sich. Finnische Topligen, DEL2. Ein Tor und zwei Vorlagen sind aber nach zehn Partien etwas zu wenig. Ist die Eingewöhnungsphase vielleicht doch etwas länger als erwartet?

Schwarz: Vorneweg muss man ganz klar sagen, dass Juuso zwei Monate Vorbereitung gefehlt haben und in einer schnellen Liga wie die AHL sie ist, ist es sehr schwer einfach so zur Tagesordnung über zu gehen. Durch den Ausfall von Henrik Neubauer, hat Juuso auch den Schlüsselspieler verloren, den ein Spielmacher wie er zum Scoren benötigt. Wir müssen jedoch auch kritisch sein und bestätigen, dass ein Kaliber wie Juuso Rajala, mit dieser Vita, gepaart mit den Empfehlungen die wir bekommen haben, am Ende des Tages an seinen Punkten gemessen wird. Er war natürlich der Spielertyp den wir gesucht haben, dass ist er aber bis Dato leider noch nicht. Es ist ja nicht so, dass wir Juuso nur deswegen geholt haben, weil wir im Internet seine tollen Statistiken gelesen haben, sondern weil wir uns sehr viele Meinungen über ihn eingeholt haben. Wir tun uns aktuell selbst schwer, zu erklären, warum es bei Juuso noch nicht so läuft. Gut ist, dass wir wissen, dass er es kann und sind weiterhin optimistisch und positiv gestimmt, dass er zu seinem Spiel findet, wenn wieder mehr Spiele hintereinander anstehen . Wir hoffen, dass er noch das Abliefern wird was wir uns von ihm erwarten, denn am Ende des Tages ist er zum Scoren da und nicht zum brav spielen.

Noch nicht in Tritt! Juuso Rajala kam als Torgarant in den Pinzgau, kann aber noch nicht überzeugen. (Foto:EKZ)

Patrick, nun ist man hinter Lustenau und den kleinen Salzburgern das beste Team österreichische Team in der Liga. Zusätzlich hat man wesentlich weniger Spiele als die Jungbullen absolviert. Da kann man doch grundsätzlich ganz zufrieden sein, oder?

Schwarz: Wir müssen das anders sehen. In der AHL sind wir nur hinter Lustenau und Salzburg, in der österreichischen Wertung, vergleicht man die Ergebnisse untereinander, lediglich auf Rang sechs. Das ist nicht zufriedenstellend mit diesem Team, aber das weiß die Mannschaft selbst auch.

Berger: Das sehe ich auch so! Wir haben einfach zu viele Punkte gegen österreichische Mannschaften regelrecht hergeschenkt.

Dennoch wurde der Headcoach vor wenigen Tagen getauscht. Was waren die finalen Gründe dafür aus Sicht des sportlichen Leiters, dass man gesagt hat, bis hier hin und nicht weiter und wie fällt das erste Fazit aus?

Schwarz: Das hatte verschiedene Gründe und die Entscheidung haben wir im Kollektiv getroffen, dass haben nicht einzelne Personen so entschieden. Einerseits waren die unkonstanten Leistungen der Mannschaft sowie die Energie im Team, welche wir als weniger positiv aufgefasst haben, ausschlaggebend für diesen Schritt. Auch haben viele Spieler nicht das gezeigt, was sie können. Hinzu kamen verschiedene Ansichten der Zielsetzung und auch die Mannschaft hat auf uns sehr verunsichert gewirkt. Wir haben den Trainer-Tausch deshalb durchgeführt, weil wir hier als Verantwortliche entgegensteuern mussten.

..also war das fix die richtige Entscheidung?

Schwarz: Nun, wenn wir hinter die Kulissen blicken und die Stimmung im Team sowie die positive Energie beobachtet, dann ja. Wenn wir nur auf die ersten Ergebnisse blicken, dann kann man meinen, da hat sich noch nicht viel verändert. Aber auch hier, ein Trainer ist kein Zauberer und kann in zwei bis drei Wochen nicht alles verändern. Vielmehr geht es um die Art und Weise wie wir auftreten. Einen neuen Coach muss man arbeiten lassen und sein System umsetzen sowie die Linie finden. Wir arbeiten auf lange Sicht und langfristig muss das dann auch bewertet werden.

Mehr Gemeinsamkeiten mit der Klub-Führung! Neo-Coach Martin Ekrt soll mit den Eisbären den direkten Playoff-Einzug ergattern! (Foto:EKZ)

..und die Akteure stimmen hier zu, Hubert?

Berger: Ich bin ja voll dabei und trainiere jeden Tag mit dem Team. Wir arbeiten hart am System, haben vieles umgestellt und das braucht eben auch seine Zeit. Unser Kader ist mit vielen jungen Spielern bestückt, die vielleicht das neue System noch nicht kennen und dazu benötigen wir sehr viel Training, was am Ende auch erfolgreich sein wird.

Kommen wir zu einem leidigen Thema. Die pandemischen Bedingungen sind derzeit so spontan wie ein Busfahrplan. Wie schwierig ist das für die sportliche Situation im Verein, steckt hier ja auch viel Organisatorisches dahinter. Oftmals werden die Spiele am Vor,- oder sogar erst am selben Tag abgesagt. Wie geht man als Spieler damit um, der sich ja auch psychisch voll auf “Matchday” einstellt?

Schwarz: Wir hatten schon zwei Spielverschiebungen in dieser Saison (einmal aufgrund von Medizinischen Vorsichtsmaßnahmen, einmal war es ein anderer Grund) und somit fehlen uns einfach zwei Spiele in zehn oder elf Tagen. Sportlich ist das aus meiner Sicht eine Katastrophe, weil wir so nicht in den “Flow” kommen, vor allem weil es gerade einmal nicht so läuft. Wenn du ein Spiel wie in Fassa so bitter verlierst und es nicht binnen zwei Tagen ausbessern kannst, sondern vielleicht erst in acht, dann denkst du als Spieler noch mehr darüber nach. Uns bleibt jedoch nichts anders übrig und , als positiv zu bleiben und nach Lösungen zu suchen, nur das bringt uns als Verein nachvorne. Viel Platz ist im Spielplan aber nicht frei, wir müssen sehen, wo wir die beiden Partien hineinquetschen. Einfach ist es ja aktuell für niemanden auf dieser Welt, aber ich bin voller Zuversicht, dass wir das alles gut meistern werden.

Auch für Spieler dürfte das nicht so einfach sein, wenn statt Matchday doch nur der Kraftraum ansteht..?

Berger: Ja, also gegen den ECB haben wir gewusst, dass es passieren kann, aber der Rhytmus fehlt uns einfach.

Wie glaubst du, nehmen die Zeller die Auflagen bislang an, um in die KE-Kelit Arena zu dürfen?

Schwarz: Der Herbst zuschauertechnisch so stark wie schon lange nicht mehr, wir hatten teilweise wirklich sensationelle Zuschauerzahlen und vor allem eine unglaubliche Atmosphäre in unserem Hexenkessel, DANKE an alle Fans und Sponsoren die dem EKZ immer die Treue halten. Das lag einerseits an den Siegen, andererseits an dem Mehraufwand und dem Engagement das wir als Verein geleistet haben, unser Vorstands- und Organisationsteam ist wirklich sensationell. Als Spitzensportverein werden uns sehr viele Auflagen aufgebrummt. Diese erfordern sehr viel Flexibilität, Spontanität und strikte Genauigkeit – wir setzen das aber alles mit bestem Gewissen um, da wir uns sehr bewusst über die aktuelle Lage und unserer Verantwortung sind. Teilweise mussten wir binnen ein paar Stunden wieder alles umkrempeln, zusätzlich brauchen wir immer einen Plan B und C, aber ich bin mir sicher, dass unser tolles Publikum das alles gut aufnehmen wird und wir auch unter strikter Einhaltung unseres Präventionskonzeptes, wieder tolle Spiele in der KE KELIT ARENA erleben werden. Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir überhaupt mit Zuschauer spielen dürfen, denn das ist in diesen Zeiten auch nicht selbstverständlich. Wir nehmen die Challenge an und freuen uns auf tolle Spiele mit den besten Fans in der Liga!

“Jeder muss sich fragen, was er mehr tun kann, damit die Mannschaft gewinnt.”, fordert EKZ-Kapitän Hubert Berger von seinem Team! (Foto:Hockey24/7)

Und die Spieler? Wie ist es am Eis, wenn die Ränge leer sind?

Berger: Bei unseren Heimspielen fehlen die Fans wirklich extrem, gerade in Zell am See. Letztes Jahr habe ich in Deutschland gespielt, wo wir die ganze Saison Geisterspiele hatten. Zwar gewöhnt man sich schnell daran, aber es fehlen einfach die Emotionen.

Sechs Partien, fünf Niederlagen. Wie kämpfen sich die Eisbären aus der “Krise”?

Berger: Gute Frage. Wir müssen hart arbeiten und daran glauben. Jeder muss sich fragen, was er mehr tun kann, damit die Mannschaft gewinnt.

Lieber Patrick, lieber Hubert, vielen Dank für die Zeit und bleibt’s gesund.